Fachbeitrag · 01.09.2026
Signals, Systems, Societies. Warum Angriffe aus Einzelsignalen bestehen.

Am 25. September spricht Louis Wübben im KRITIS-Forum der Security Essen (Halle 5, 11:30 Uhr) über „Using Technology to Protect What Society Depends On“. Dieser Beitrag erklärt, was dahintersteckt.
Signals
Angriffe auf kritische Infrastruktur zeigen sich oft nur in fragmentierten Einzelsignalen.
Das liegt daran, wie Alarmtechnik gebaut ist. Eine Alarmzentrale liefert eine Contact-ID-Meldung. Eine Kamera liefert einen Videostream. Ein Sensor liefert eine Störmeldung. Jede Quelle hat ihr eigenes Protokoll und ihren eigenen Kanal, und in der klassischen Leitstelle prüfen Operatoren jede Meldung einzeln, Tausende am Tag, die meisten davon Fehlalarme. Ein Muster, das sich über drei Quellen und zwanzig Minuten verteilt, erkennt so niemand: Kein System setzt die Meldungen zueinander in Beziehung.
Die EU-Kommission beschreibt in ihren Leitlinien zur CER-Richtlinie vom Juli 2026, was sie erwartet. Einbruch- und Perimetermeldesysteme sollen überwacht und regelmäßig geprüft werden (Punkt 29). Videosysteme sollen die relevanten Bereiche in Echtzeit zeigen und aufzeichnen, mit regelmäßiger Prüfung der Aufnahmen (Punkt 30). Und Betreiber sollen eine Vorfalldatenbank führen, in der Ereignisse systematisch erfasst werden (Punkt 20). Ein Muster erkennt nur, wer eine Historie hat und sie auswerten kann.
Systems
Was häufig fehlt, ist eine Stelle, an der diese Signale zusammenlaufen: rund um die Uhr besetzt, in der Lage zu entscheiden und zu intervenieren. Die Leitlinien beschreiben diese Stelle, ohne sie zu benennen — einen Verbindungsbeauftragten als Schnittstelle zu den Behörden (Punkt 13), eine formalisierte Zusammenarbeit mit Polizei, Rettungsdiensten und Verteidigungsbehörden (Punkt 61), Krisenkommunikation über mehrere Kanäle (Punkt 63), Alarmierungssysteme mit klaren Befehlsketten (Punkt 65). Für ein Unternehmen mit einer kritischen Anlage und ohne eigene Sicherheitsabteilung ist das eine Leitstelle.
Die Notruf- und Serviceleitstelle gibt es seit Jahrzehnten, und ihre Schnittstellen sind normiert. Was ihr bisher fehlte, war die Fähigkeit, Signale aus verschiedenen Quellen zu einem Bild zusammenzuführen, statt sie in einer Warteschlange abzuarbeiten. Dafür braucht es Software, die Signale verknüpft und Abläufe an den Betreiber anpasst. Wir beantworten diese Signale selbst — auf Trident, unserem eigenen Leitstellen-Betriebssystem, anerkannt nach VdS 3534. Gebaut, um genau diese Lücke zu schließen.
Societies
Ein Umspannwerk ist nie nur ein Umspannwerk. Als im Januar 2026 ein Brandanschlag Hochspannungskabel in Berlin lahmlegte, waren rund 45.000 Haushalte tagelang ohne Strom, dazu Krankenhäuser und Pflegeheime, und mit dem Strom fielen Heizung, Mobilfunk und Internet aus. Die Leitlinien der Kommission empfehlen deshalb, dass Betreiber die Abhängigkeiten zwischen Anlagen und Sektoren erfassen (Punkt 14). Wer ein Umspannwerk schützt, schützt die Systeme dahinter.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zählte zum 30. Juni 2026 in Deutschland 1.231 Betreiber mit 2.180 Anlagen, die nach dem BSI-Gesetz als KRITIS registriert sind. Ein großer Teil von ihnen wird auch unter das KRITIS-Dachgesetz fallen und physischen Schutz organisieren müssen, der überwacht, getestet und dokumentiert ist. Mit Personal allein ist das kaum zu leisten: Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) zählte im Februar 2026 noch 5.478 offene Stellen. Technologie, die Signale zusammenführt und zeigt, wo jemand gebraucht wird, ist die Voraussetzung dafür, dass dieser Schutz überhaupt stattfindet.
Der Vortrag am 25. September vertieft diese drei Ebenen. Wir sind die ganze Woche in Halle 8 am Stand 8C20 — was wir auf der Security Essen zeigen, steht in einem eigenen Beitrag. Wenn Sie vorher mit uns sprechen möchten, melden Sie sich gern.


